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Am 1. September ist Weltfriedenstag. An vielen Orten wird an den Kriegsbeginn 1939 erinnert und an das Leid, das dieser Krieg über Menschen brachte. Doch es waren auch Menschen, die diesen Krieg vorbereitet, entfesselt und mit unvorstellbarer Brutalität geführt haben. Die Ereignisse von damals werfen lange Schatten. Noch immer leiden Menschen unter den Erinnerungen und können nicht vergessen. Oft genug konnten sie nicht einmal darüber reden, was sie da erleben und erleiden mussten. In den Pflegeeinrichtungen begegnen mir immer wieder solche Erinnerungen.

Eine Lehre der Christenheit aus dem 2. Weltkrieg war: Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein. Im Stuttgarter Schuldbekenntnis bekannten sich 1946 die evangelischen Kirchen in Deutschland mitschuldig: „Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden…“ Verbunden war dieses Eingeständnis mit dem Versprechen, sich künftig für Frieden und Versöhnung stark zu machen.

Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein. Das ist seit dem ein Grundsatz evangelischer Friedensethik. Jesus hat Gewalt konsequent abgelehnt. Er hat sich nicht einmal verteidigt, als es ihm ans Leben ging. Als seine Anhänger für ihn kämpfen wollten, sagte Jesus nein: Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen (Matthäus 26,53). Und das ist ja oft bis heute so. In Afghanistan müssen wir das gerade wieder mit Schrecken ansehen. Selbst 20 Jahre Militäreinsatz konnten dem Land keinen Frieden bringen.

Jesu Friedensliebe war ohne Kompromisse. In der Bergpredigt legt er seinen Nachfolger*innen ans Herz:

„Selig sind die Frieden stiften. Liebet eure Feinde. Tut wohl denen, die euch hassen. Wenn dich einer schlägt, halte ihm auch die andere Seite hin.“ (Matthäusevangelium 5. Kapitel.)


So hohe Maßstäbe kann man nur an sich selbst anlegen. Die kann man kaum einfordern, schon gar nicht von Menschen, die unter Gewalt und Krieg leiden müssen. Das wäre zynisch. In der Politik wird deswegen manchmal gesagt: Mit der Bergpredigt kann man nicht regieren. Und das ist wohl so. Eine edle Gesinnung hilft nicht immer weiter. Manchmal muss dem Übel in der Welt tatkräftig etwas entgegen gesetzt werden, auch mit Gewalt. Das ist der Spagat einer verantwortlichen Friedensethik. Einerseits dem Krieg und Waffeneinsatz zu wehren, andererseits die Opfer von Gewalt nicht im Stich zu lassen.

Doch Gewaltanwendung kann immer nur das letzte Mittel sein und bleibt eine Notlösung. Manchmal ist sie unumgänglich, aber niemals gut. Daran erinnert Jesus mit seinen Worten. Es muss auch andere Wege der Konfliktlösung geben als Gewalt mit Gewalt zu beantworten. Frieden beginnt ja bekanntlich im Kleinen. Vor und hinter unserer Haustür, in unserem nahen Umfeld. Wie es uns da gelingt in Frieden miteinander zu leben, das kann auch im Großen Schule machen – hoffentlich! Oder wie Mahatma Gandhi es einmal gesagt hat: Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden selbst ist der Weg.

Pfarrer Olaf Börnert
Diakonie – Stadtmission Dresden gGmbH, ein Unternehmen der Diakonie Miteinander

 

Die Friedenstaube – Symbol für den Frieden